Nicht jedes Projekt schafft es in die Produktion – und das lernte ich am eigenen Leib während meines Bachelors. Unser Auftrag war es, ein Tool zum Scannen von Barcodes und NFC-Tags zu entwickeln, um die Geräteausleihe im Media Technology Service Center (MTSC) zu unterstützen. Die Herausforderung bestand darin, mit begrenzter Erfahrung und den verfügbaren Mitteln etwas Funktionsfähiges zu bauen – und genau das haben wir getan.
Der Ausgangspunkt
Damals waren wir noch Neulinge in vielen Bereichen, aber randvoll mit dem Selbstvertrauen, dass ein paar Zeilen Code die Welt verändern könnten. Unsere Fähigkeiten lagen hauptsächlich bei PHP, JavaScript und einigen Grundlagen, weshalb moderne Frameworks eher wie ein Hindernis als eine Hilfe wirkten. Anstatt in sechs Monaten ein völlig neues Framework zu lernen, entschieden wir uns als Team, auf den bereits vorhandenen Fähigkeiten aufzubauen – eine Entscheidung, über die heute vielleicht der ein oder andere erfahrene Entwickler schmunzeln mag.
Der Entwicklungsprozess
Agilität und Teamdynamik: Wir arbeiteten agil, ohne dass ein Wochenplan länger als eine Woche hielt. Unsere Sprints waren geprägt von hitzigen Debatten darüber, wie spezifische Herausforderungen zu lösen seien – jede Idee fühlte sich am Anfang naiv an. Doch diese unbelastete, ehrliche Zusammenarbeit schuf eine der besten Teamdynamiken, die ich je erlebt habe. Wir wussten, dass nicht jeder Sprint wie ein Sprint aussieht: Manchmal braucht man eine Pause zum Auftanken. Alleine kommt man vielleicht schneller voran, aber als Team läuft man einen Marathon.
Technologie ohne Schnickschnack: Statt zu modernen Frameworks zu greifen, setzten wir auf Standard-JavaScript und schrieben den Großteil unserer Logik in PHP – auch wenn beide Technologien oft einen schlechten Ruf haben. Auf unsere selbst definierten Typen hätten wir nicht verzichten wollen. Für den kritischen Teil, den NFC- und Barcode-Scanner, durchkämmten wir Stack Overflow intensiv nach brauchbaren Lösungen.
Lernen und Erkenntnisse – das Projekt war ein intensiver Lernprozess:
- Arbeit mit NFC- und Barcode-Scannern: Wir mussten tief in die Materie eintauchen und die Kommunikation zwischen Hardware und Software verstehen.
- Technisches Tüfteln und Pragmatismus: Das Setzen auf bewährte Tools und Sprachen lehrte uns, dass die neueste Technologie nicht immer zum Erfolg führt – oft zählt der Wille, etwas zu bauen, mehr als das neueste Framework.
- Teamarbeit und offene Kommunikation: Unsere ehrliche, entspannte Teamatmosphäre ermöglichte es uns, die schwierigen Phasen gemeinsam zu überstehen. Freiraum und gemeinsame Pausen waren entscheidend, um langfristig motiviert zu bleiben.
Das Ergebnis und seine Präsentation
Am Ende lieferten wir eine Web-App ab, die alle Anforderungen erfüllte – Macken inklusive. Wir präsentierten sie als Team, mit einer humorvollen Geschichte, die unsere Reise widerspiegelte. Diese Präsentation war nicht nur ein Moment des Feierns, sondern ein wertvoller Lernschritt. Die Anerkennung kam auch: Bei der Projektschau der FH St. Pölten gingen wir als Sieger hervor. Mit allem, was ich seither gelernt habe, würde ich sagen, dass das Tool in seiner ursprünglichen Form nicht produktionsreif wäre – aber der eigentliche Gewinn war die Entwicklung und die Erkenntnisse, die wir daraus zogen.
Fazit
fherlei war weit mehr als ein Projektauftrag. Es war ein intensiver Lernprozess, der uns gezeigt hat, wie wichtig praktische Erfahrung, Teamarbeit und der Mut zur Nutzung bewährter Methoden wirklich sind. Auch wenn unser Tool den Standards moderner Systeme heute vielleicht nicht mehr genügt, war der Gewinn für uns als Entwickler:innen immens. Es war der Ausgangspunkt, an dem uns bewusst wurde, dass jede Zeile Code und jede Diskussion – naiv oder fortgeschritten – ein Schritt in Richtung unserer professionellen Zukunft war.
Danke an alle, die diesen Weg mit mir gegangen sind – die Herausforderungen, die Erfolge und die Fehler haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin.